Stark durch Respekt - Unser 1. Zeitungsausschnitt
OutSider ! Stark Durch Respekt !

 

Neue Presse, 22/23. November 2008
Außenseiter nur auf dem Spielfeld

PROJEKT

Die „Outsider“ sind eine ungewöhnliche Fußballmannschaft: Einige der 16 Jugendlichen sind bereits mit dem Gesetz in Konflikt geraten.Auf dem Platz lernen sie Regeln – auch für den Alltag. Jetzt suchen sie Gegner,um sich sportlich zu messen.

 

VON VERONIKA KELLER

Coburg —

mit rotem Kopf am Rand des Fußballfeldes.

Seine Mitspieler, die gerade den

Platz verlassen, wirken ähnlich abgekämpft.

Wenn der 16-Jährige über seine

Vergangenheit erzählt, kommen ihm

die Worte „Diebstahl“ und „Körperverletzung“

erschreckend leicht über

die Lippen.Wie ein Verbrecher sieht er

aber nicht aus; erwirktwie ein normaler

Junge, scheint sportlich und sympathisch.

Doch Tobias ist schonmehrmals

mit dem Gesetz in Konflikt geraten.

„Das ist hier nichts Ungewöhnliches“,

erklärt ermit einemschiefen Grinsen in

die Richtung seiner Fußballkollegen.

„Bei denOutsidern sind fast alle irgendwie

abgerutscht.“

Die „Outsider“ – das ist seine Fußballmannschaft

von 16 Jungen zwischen 11

und 23 Jahren. Dass es sich um eine

nicht ganz gewöhnliche Mannschaft

handelt, wissen Michael Wolff und

AndreasWittmann ambesten.Denn sie

haben das Team gegründet. Beruflich

haben beide mit jungen Menschen zu

tun, die einen schlechten familiären

Hintergrund haben oder straffällig geworden

sind. Anfangs waren die regelmäßigen

Treffen zumFußball für sie

nur ein Hobby.

Doch als immer

mehr der „schwierigen“

Jugendlichen,mit

denen sie arbeiten,

mitspielen wollten,

kamen sie auf die

Idee,mehr daraus

zumachen. „In einer Fußballmannschaft

können wir den

Leuten zeigen,

wie wichtig es

ist, fair und respektvoll miteinander umzugehen und

in harten Zeiten durchzuhalten“, erklärt

Michael Wolff. „Und das funktioniert

ohne erhobenen Zeigefinger, sondern

kommt beim Spielen ganz von allein.

Wir sind keine Überpädagogen,

sondern normale Menschen, die Spaß

am Kicken haben. Deswegen haben wir

die Outsider gegründet.“

Fußballplatz als „geschützter Raum“

Die beiden Initiatoren wollen den Spielern

Fairness und Respekt vor allemdadurch

näher bringen, dass sie selbst als

Vorbilder auftreten. Benimmt sich aber

jemand daneben, gibt es auch Strafen.

Störenfriede müssen zum Beispiel aussetzen

und eine Runde um den Platz

laufen. AndreasWittmann erklärt, dass

der Fußballplatz einen „geschützten

Raum“ darstellt, um angemessene Umgangsformen

zu erlernen. Er hofft, dass

die Jugendlichen ihre Erkenntnisse über

den Umgang mit Anderen vom Sport

auf ihr Leben übertragen. „Außerdem

lernen sie, Verantwortung zu übernehmen,

wenn es etwa darumgeht, unseren

Platz in Schuss zu halten.“

Die Gruppe spielt nun schon seit

mehreren Monaten zusammen, und

erste Erfolge sind laut Andreas Wittmann

schon zu verzeichnen. „Zwei der

Jungs haben sich bei einer Schlägerei

kennen gelernt. Jetzt spielen sie im selben

Team und gehen angemessen miteinander

um. Das ist nicht selbstverständlich.

Überhaupt sind alle Jungs

beimSpielen erstaunlich diszipliniert.“

DieMannschaft nennt sich zwar „Die

Outsider“, aber das Ziel von Michael

Wolff und Andreas Wittmann ist es, den

Jugendlichen aus ihrer Rolle als Außenseiter

herauszuhelfen. Nur einer der

Spieler hat einen Ausbildungsplatz, die

meisten erwarten düstere Berufsaussichten.

Die beiden Mannschaftsleiter

hoffen, dass ihre Spieler durch mehr

Disziplin ihre Zukunftsaussichten verbessern

können. Auch das Bild, das die

Öffentlichkeit

von jugendlichen

Straftätern

hat, würden die Pädagogen gern verändern.

„Die Jungs sind nette Kerle, die

mal Mist gebaut haben. Jetzt stecken sie

ihre Energie in den Sport, statt Unsinn

zumachen. Es wäre schön, wenn sie dafürAnerkennung

von außen bekämen“,

sagt AndreasWittmann.

Die Mannschaftsleiter engagieren

sich ehrenamtlich für die Outsider.

Ein Budget gibt es nicht.

„Viel Geld brauchen wir zum

Fußballspielen zwar nicht, aber

etwas finanzielle Unterstützung

könnten wir schon gut gebrauchen“,

sagt Michael Wolff. „Es

ist leider sehr schwierig, Spenden

zu bekommen, wenn es um

Delinquenten geht.“ Einen Satz

Trikots und ein paar Fußballschuhe

konnten sich die Outsidermit einer Zuwendung

des Architekturbüros [lu:p] in

Grub am Forst schon anschaffen. Jetzt

fehlen zum Beispiel noch Schienbeinschoner

und ein Erste-Hilfe-Kasten.

Fast noch dringender als Spender

sucht das Team Gegner. Ein Spiel hat es

schon absolviert. Jetzt möchten

die „Outsider“ Freundschafts-

oder Hallenturnierspiele

bestreiten, bei denen

sie sich beweisen können. Interessierte

können sich gerne

melden. Was die Fußball-

Landschaft angeht, möchten

die „Outsider“ nicht länger

Außenseiter bleiben.

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